Was ist ein Vollstreckungsbescheid?
Ein Vollstreckungsbescheid ist ein Brief vom Gericht. Er bedeutet: Eine Firma oder Person (der Gläubiger) will Geld von dir und sein Recht mit Zwang durchsetzen – zum Beispiel durch:
- Pfändung deines Kontos
- Pfändung deines Lohns
- Besuch vom Gerichtsvollzieher
Der Vollstreckungsbescheid wird ausgestellt, wenn du vorher auf einen Mahnbescheid nicht reagiert hast. Der Vollstreckungsbescheid ist die letzte Stufe im Mahnverfahren.
Was musst du jetzt tun?
Öffne den Brief sofort!
Die Frist für einen Einspruch läuft ab dem Tag, an dem du den Brief bekommst.Prüfe die Forderung genau:
- Kennst du die Rechnung?
- Hast du die Rechnung schon bezahlt?
- Sind die Kosten zu hoch?
- Wurde dir etwas berechnet, das du nie bestellt hast?
- Ist es ein Betrug?
Wenn du die Forderung für falsch hältst, dann kannst du Einspruch einlegen.
Achtung bei den Kosten!
Manche Forderungen im Vollstreckungsbescheid sind nicht erlaubt. Zum Beispiel:
- Überhöhte Inkassogebühren
- Zinsen, die zu hoch sind
- Gebühren für Mahnungen, die du nie bekommen hast
- Kostendoppelung, z.B. wenn Anwaltskosten (unter Gerichtskosten) – und Inkassokosten (unter Nebenforderung) geltend gemacht werden
Du musst nicht alles zahlen, was im Bescheid steht. Lass das prüfen – am besten bei einer Schuldnerberatung.
Wie lange hast du Zeit für einen Einspruch?
Du hast 14 Tage Zeit, um einen Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid einzulegen. Die Frist beginnt, sobald du den Vollstreckungsbescheid bekommst.
Wie legst du Einspruch ein?
- Du bekommst mit dem Vollstreckungsbescheid ein Einspruchsformular mitgesendet.
- Kreuze nach gründlicher Prüfung an, dass du Einspruch einlegst. Du musst keine Gründe angeben – aber es ist besser, wenn du deine Meinung erklärst.
- Schick das Formular sofort zurück – am besten per Einschreiben.
Tipp: Du kannst auch nur gegen einen Teil der Forderung Einspruch einlegen – zum Beispiel gegen zu hohe Gebühren.
Was passiert nach dem Einspruch?
Wenn du Einspruch einlegst, kommt es meistens sofort zu einem Gerichtsverfahren. Das nennt man Zivilprozess.
- Der Gläubiger muss nun beweisen, dass du das Geld wirklich schuldest.
- Du kannst zeigen, warum du nicht zahlen musst – zum Beispiel, weil du schon bezahlt hast oder die Rechnung falsch ist.
Wichtig: Wenn du verlierst, musst du Gerichtskosten und Anwaltskosten zahlen. Wenn du gewinnst, zahlt der Gläubiger.
Keinen Einspruch = Der Vollstreckungsbescheid wird rechtskräftig
Ist der Vollstreckungsbescheid rechtskräftig (das geschieht, indem du keinen Einspruch innerhalb der Frist einlegst), so hat der Gläubiger nun 30 Jahre lang einen vollstreckbaren Titel gegen dich in seiner Hand. Er darf jetzt Zwangsvollstreckung / Pfändungen durchführen – auch wenn die Forderung vielleicht falsch, unbegründet oder zu hoch ist.
Was kann der Gläubiger jetzt tun?
Mit dem rechtskräftigen Vollstreckungstitel darf der Gläubiger:
Dein Konto pfänden
Deinen Lohn pfänden
Einen Gerichtsvollzieher zur Abnahme der Vermögensauskunft (das ist eine Liste deiner Besitztümer und Einnahmen) beauftragen.
Tipps für dich:
Reagiere sofort!
Wenn du nichts machst, kann dein Geld gepfändet werden.
Prüfe die Forderung genau.
Kennst du die Rechnung? Ist sie richtig?
Leg Einspruch ein, wenn du Zweifel hast.
Auch wenn du nur einen Teil für falsch hältst.
Hol dir Hilfe.
Eine Schuldnerberatung hilft dir kostenlos.
Du findest eine Beratungsstelle unter:
www.meine-schulden.de/beratungsstellen
Dokumentiere alles und mach Kopien von den Briefen. Schreib dir auf, wann du etwas bekommen oder abgeschickt hast.
Fazit:
Ein Vollstreckungsbescheid ist ernst – aber du hast Rechte. Du kannst dich wehren. Und du bist nicht allein. Mit guter Beratung und schnellen Schritten kannst du viel erreichen.