Die Erwerbsminderungsrente ist eine wichtige finanzielle Unterstützung, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten kannst. Sie soll dir helfen, deinen Lebensunterhalt zu sichern, wenn deine Arbeitskraft dauerhaft eingeschränkt ist. Die gesetzlichen Regeln sind komplex – aber keine Sorge, hier bekommst du einen verständlichen Überblick.
Was bedeutet „Erwerbsminderung“?
Die Deutsche Rentenversicherung unterscheidet zwei Formen:
Volle Erwerbsminderung
Du kannst weniger als 3 Stunden täglich arbeiten – egal in welchem Beruf.
Teilweise Erwerbsminderung
Du kannst zwischen 3 und unter 6 Stunden täglich arbeiten.
Wichtig: Es geht nicht darum, ob du deinen alten Beruf ausüben kannst, sondern ob du irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schaffen würdest.
Wer hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?
Damit du die Rente bekommst, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Medizinische Voraussetzung
Ärzte der Rentenversicherung prüfen, ob deine Leistungsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt ist.
2. Versicherungsrechtliche Voraussetzungen
Du musst:
- mindestens 5 Jahre in der Rentenversicherung versichert sein (Wartezeit)
- in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben
Es gibt Ausnahmen, z. B. bei Arbeitsunfällen oder bestimmten Krankheiten.
3. Reha vor Rente
Die Rentenversicherung prüft immer: „Reha vor Rente“ – also ob eine medizinische Reha oder berufliche Maßnahme deine Arbeitsfähigkeit verbessern könnte.
Wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente?
Die Höhe hängt ab von:
- deinen bisherigen Rentenpunkten
- deinem Durchschnittsverdienst
- der sogenannten Zurechnungszeit (eine Art fiktive Weiterarbeit bis zu einem bestimmten Alter)
Je jünger du bist, desto stärker wirkt die Zurechnungszeit – sie soll verhindern, dass du wegen eines frühen Krankheitsbeginns extrem niedrige Renten bekommst.
Es gibt allerdings Abschläge:
- bis zu 10,8 %, wenn die Erwerbsminderung vor dem regulären Rentenalter eintritt.
Wie lange wird die Rente gezahlt?
- Meistens wird die Rente befristet bewilligt – oft für 3 Jahre.
- Sie kann verlängert werden, wenn sich dein Gesundheitszustand nicht verbessert.
- Erst wenn klar ist, dass sich deine Leistungsfähigkeit dauerhaft nicht bessert, wird die Rente unbefristet gezahlt.
Was musst du beachten?
- Du musst alle medizinischen Unterlagen vollständig einreichen.
- Die Rentenversicherung kann dich zu eigenen Untersuchungen einladen.
- Wenn du hinzuverdienst, gelten Hinzuverdienstgrenzen – bei voller Erwerbsminderung deutlich strenger als bei teilweiser.
- Wenn du wieder mehr arbeiten kannst, kann die Rente angepasst oder beendet werden.
Warum ist die Erwerbsminderungsrente so wichtig?
Viele Menschen trifft eine schwere Krankheit oder ein Unfall völlig unerwartet. Die Erwerbsminderungsrente sorgt dafür, dass du in dieser Situation nicht ohne Einkommen dastehst. Sie ist ein zentraler Bestandteil der sozialen Absicherung in Deutschland – und ein Schutzschild für Menschen, deren Arbeitskraft dauerhaft eingeschränkt ist.
Checkliste: Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente
Mit dieser Checkliste kannst du grob prüfen, ob du die wichtigsten medizinischen und versicherungsrechtlichen Kriterien erfüllst.