Was sind Schulden?
Schulden sind Verpflichtungen, Geld an jemanden zurückzugeben. Aber Schulden sind nicht nur finanzielle Verpflichtungen, sondern ein strukturelles Abhängigkeitsverhältnis, das zukünftige Handlungsfreiheit einschränkt und gegenwärtige Entscheidungen maßgeblich beeinflusst.
Schuldverhältnisse bestehen meist bei:
- einer Bank (Kredit oder Ratenzahlung)
- einem Händler (Rechnung oder Kauf auf Rechnung)
- dem Staat (Steuern, Sozialleistungen, Bußgelder)
- Freunden und Bekannten
Ursachen & Gründe für Schulden
Immer mehr Menschen in Deutschland haben Schulden, die sie nicht zurückzahlen können. Das nennt man Überschuldung. Diese liegt vor, wenn die regelmäßigen Einnahmen und das gesamte Vermögen dauerhaft nicht ausreichen, um alle Verbindlichkeiten (Rechnungen, Raten) zu bezahlen, was zu Zahlungsunfähigkeit führt und professionelle Hilfe erfordert. Ein neuer Bericht zeigt: Die Gründe dafür sind oft nicht selbst verschuldet und führen in eine existenzbedrohende Lage. Menschen geraten in Schulden durch:
- Arbeitslosigkeit
- Krankheit oder Sucht
- Trennung oder Scheidung
- niedriges Einkommen
- hohe Miete oder Lebenshaltungskosten
- unüberlegtes Konsumverhalten
- steigende Lebenserhaltungskosten
Bei jungen Menschen spielen Konsum und Onlinekäufe eine große Rolle. Ratenzahlungen, Kleinkredite und „Jetzt kaufen, später zahlen“-Angebote werden immer häufiger genutzt. Viele unterschätzen, wie schnell sich kleine Beträge summieren. Ältere Menschen hingegen leiden oft unter steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renten.
Krankheit ist aktuell der Hauptgrund für Schulden
Früher war die Arbeitslosigkeit der häufigste Grund für Überschuldung. Jetzt ist es Krankheit oder Sucht. Fast jeder fünfte Mensch, der zur Schuldnerberatung geht, hat deshalb kein Geld mehr.
Besonders stark zugenommen haben außerdem dauerhaft niedrige Einkommen, steigende Lebenshaltungskosten und eine unübersichtliche Haushaltsführung. Letzteres bedeutet oft, dass Menschen mehr ausgeben, als sie eigentlich zur Verfügung haben – häufig wird das unterstützt durch leicht verfügbare Kredite.
Neu ist jedoch, dass zunehmend auch Menschen mit mittlerem oder gutem Einkommen von Überschuldung betroffen sind. Nach Jahren des Sparens versuchen viele, ihren Lebensstandard zu halten oder nachzuholen. Doch höhere Zinsen, teurere Mieten und steigende Preise lassen die finanziellen Reserven schnell schrumpfen. Fachleute gehen davon aus, dass sich dieser negative Trend im kommenden Jahr fortsetzen wird.
Wer ist besonders von Überschuldung betroffen?
Aktuell gelten 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet. Das sind 111.000 Menschen mehr als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt bei etwa 16.500 Euro. Besonders betroffen sind:
- Alleinerziehende
- Geringverdiener:innen
- Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss
- Haushalte mit Kindern
Viele geben fast die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aus. Dann bleibt kaum Geld übrig für die andere Dinge im Leben: Es werden Kredite aufgenommen und Konsum betrieben, wodurch in dessen Folge Schulden entstehen.
Kredite machen die Lage schlimmer
Über 80 % der Erwachsenen nutzen Kredite. Besonders Ratenkredite führen oft zu Schulden. Ein typischer Kredit liegt bei 6.609 Euro. Auch kleine Kredite unter 1.000 Euro nehmen stark zu – oft durch „Jetzt kaufen, später zahlen“.
Schulden beim Staat nehmen zu
Viele Menschen haben ebenso Schulden bei:
- dem Finanzamt
- dem Jobcenter
- wegen Geldstrafen oder Rückzahlungen
Diese Schulden sind schwierig, weil sie oft nicht gestundet oder erlassen werden.
Wie hoch ist die durchschnittliche Schuldenhöhe?
Die meisten Menschen haben Schulden in Höhe von:
- unter 10.000 Euro (ca. 35 %)
- zwischen 10.000 und 40.000 Euro (ca. 42 %)
- über 40.000 Euro (ca. 23 %)
Nur 9 % schaffen es, ihre Schulden ganz oder teilweise zu regeln – trotz Beratung.
Was kannst du bei einer Überschuldung tun?
Wenn du Schulden hast, dann:
- Behalte den Überblick – schreibe auf, wem du wie viel schuldest
- Sprich mit den Gläubigern – oft sind Raten oder Stundungen möglich
- Nutze ein P-Konto – dieses schützt dein Geld vor Pfändung
- Hole dir Hilfe – Schuldnerberatungen sind kostenlos und vertraulich
- Vermeide neue Schulden – prüfe genau, ob du dir etwas leisten kannst
Fazit
Schulden sind kein Grund für Scham – sie können jeden treffen. Wichtig ist, dass du früh handelst und dir Hilfe holst. Mit guter Beratung und klarem Überblick kannst du deine Finanzen in den Griff bekommen. Die Schuldnerberatungsstellen sind meistens kostenlos und helfen dir bei der Aufarbeitung der Situation.