Der Räumungstermin – Was Du jetzt unbedingt tun musst

Wenn du ein Schreiben vom Gerichtsvollzieher bekommst mit einem konkreten Räumungstermin, ist die Situation akut. Jetzt geht es nicht mehr um Klage oder Urteil. Jetzt geht es um die Zwangsräumung deiner Wohnung.

Aber auch jetzt gibt es noch Handlungsmöglichkeiten. Wichtig ist, jeder Tag zählt und du musst handeln.

Wie kommt es zur Festsetzung des Räumungstermins?

Der Ablauf ist typischerweise:

  1. Kündigung
  2. Räumungsklage
  3. Räumungsurteil
  4. Beauftragung des Gerichtsvollziehers
  5. Festsetzung eines konkreten Termins

Der Gerichtsvollzieher kündigt den Termin schriftlich an. In Haushalten mit minderjährigen Kindern erfolgt in der Regel eine Mitteilung an das zuständige Jugendamt.

Was bedeutet der Räumungstermin konkret?

Am angekündigten Tag:

  • wird die Wohnung zwangsweise geöffnet (falls nötig),
  • der Besitz an den Vermieter übergeben,
  • und Du verlierst den unmittelbaren Zugang zur Wohnung.

Ab diesem Zeitpunkt darfst Du die Wohnung nicht mehr betreten.

Antrag auf Verlängerung der Räumungsfrist

Auch wenn der Räumungstermin feststeht, kannst Du auf eine Verlängerung hin prüfen:

Antrag auf Vollstreckungsschutz (§ 765a ZPO)

Wenn eine Räumung für Dich eine außergewöhnliche Härte darstellen würde, kannst Du einen Antrag auf Vollstreckungsschutz stellen. Das Gericht kann die Räumung aufschieben, wenn sie erkennt, das diese eine unbillige Härte darstellen würde.

Das trifft beispielsweise zu bei:

  • einer akut schweren Erkrankung
  • Lebensgefahr
  • kurz vor der Geburt eines Kindes
  • Suizidgefahr
  • extremer sozialer Notlage
  • extremen Härtefällen

Hier brauchst Du konkrete Nachweise (ärztliche Atteste, Stellungnahmen etc.).

Wichtig: Der Antrag muss unverzüglich gestellt werden.

Antrag auf Verlängerung der Räumungsfrist (§ 721 ZPO)

Auch nach einem Urteil kannst Du noch Zeit gewinnen, denn das Gericht kann eine Räumungsfrist gewähren oder verlängern. Dafür müsstest du aber zu früh wie möglich einen Antrag stellen – spätestens vor Ablauf der gesetzten Frist.

Die gesetzliche Grundlage findest du im § 721 ZPO

Begründung kann sein:

  • nachweislich intensive Wohnungssuche / fehlender Ersatzwohnraum
  • kleine Kinder
  • familiäre Belastung
  • Schulwechsel von Kindern
  • Schwangerschaft
  • hohes Alter
  • schwere Erkrankung

In Ausnahmefällen sind mehrere Monate zur Fristverlängerung möglich, bis du dann deine Wohnung räumen musst.

Kann die Räumung noch verhindert werden?

Ja – unter bestimmten Umständen.

Mietrückstände vollständig ausgleichen

Wenn es um Mietschulden geht:

  • vollständige Zahlung
  • gesicherte zukünftige Miete
  • Direktüberweisung durch das Amt

Das kann Vermieter zur Aussetzung bewegen.

Nachträgliche Einigung mit dem Vermieter

Selbst kurz vor dem Termin ist möglich:

  • Aufschub
  • Ratenvereinbarung
  • Vergleich
  • freiwilliger Auszug mit Frist

Wichtig: Lass dir eine mögliche Einigung mit dem Vermieter Immer schriftlich bestätigen.

Sofortmaßnahmen vor dem Termin

Wenn der Termin nicht mehr abgewendet werden kann:

Organisiere frühzeitig:

  • wichtige Dokumente zu sichern
  • Wertsachen aus der Wohnung zu entfernen
  • Möbel selbst transportieren (spart Kosten)
  • Nachsendeauftrag bei der Post einstellen

Wohnungssuche intensivieren

Dokumentiere für dich :

  • Besichtigungstermine
  • Bewerbungen
  • Absagen

Das kann bei Anträgen auf Fristverlängerung helfen.

Sozialrechtliche Unterstützung prüfen

Spätestens jetzt solltest Du prüfen:

  • Mietschuldenübernahme
  • Unterbringung durch Kommune
  • Notunterkunft
  • Wohnberechtigungsschein
  • Sozialberatung
  • Schuldnerberatung

Bei Familien mit Kindern sind Behörden besonders verpflichtet, Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Psychische Belastung ernst nehmen

Ein Räumungstermin ist extrem belastend, daher scheue Dich nicht:

  • Beratung aufzusuchen
  • ärztliche Unterstützung zu holen
  • soziale Hilfe anzunehmen

Eine dokumentierte Belastung kann auch rechtlich relevant sein.

Häufige Fehler vermeiden

  • Termin ignorieren
  • Nicht auf Schreiben reagieren
  • Keine Nachweise sammeln
  • Unvorbereitet erscheinen
  • Auf mündliche Zusagen vertrauen

Zusammenfassung

Wenn der Räumungstermin festgesetzt ist:

  1. Sofort prüfen, ob Vollstreckungsschutz möglich ist
  2. Kontakt mit Vermieter aufnehmen
  3. Sozialleistungen prüfen
  4. Wohnungssuche dokumentieren
  5. Wichtige Gegenstände sichern
  6. Keine Zeit verlieren