Du bekommst Post vom Gericht – was bedeutet das?
Wenn du eine Rechnung nicht innerhalb einer Zahlungsfrist bzw. spätestens innerhalb von 30 Tagen bezahlst, befindest du dich im Zahlungsverzug. Der Gläubiger (also die Firma oder Person, bei der du Schulden hast) kann nun nach Zustellung einer einmaligen Mahnung, einen Mahnbescheid bei Gericht beantragen. Der Mahnbescheid kommt dann per Post – meistens in einem gelben Umschlag.
Wichtig:
Ein Mahnbescheid ist kein Urteil. Das Gericht prüft nicht, ob die Forderung richtig ist.
Es wird einfach angenommen, dass du deinem Gläubiger gegenüber Geld schuldest.
Was musst du jetzt tun?
Öffne den Brief sofort!
Die Frist für einen Widerspruch läuft ab dem Tag, an dem du den Brief bekommst.Prüfe die Forderung genau:
- Kennst du die Rechnung?
- Hast du die Rechnung schon bezahlt?
- Sind die Kosten zu hoch?
- Wurde dir etwas berechnet, das du nie bestellt hast?
- Ist es ein Betrug?
Wenn du die Forderung für falsch hältst, dann kannst du Widerspruch einlegen.
Was ist mit den Kosten?
Manche Mahnbescheide enthalten zu hohe Kosten. Zum Beispiel:
- Überhöhte Inkassogebühren
- Zinsen, die nicht erlaubt sind
- Gebühren für Briefe oder Anrufe, die nie getätigt wurden
- Kostendoppelung, z.B. wenn Anwaltskosten (unter Gerichtskosten) – und Inkassokosten (unter Nebenforderung) geltend gemacht werden
Du musst nicht alles zahlen, was im Mahnbescheid steht. Nur das, was wirklich berechtigt ist.
Wie legst du Widerspruch ein?
- Du hast 2 Wochen Zeit, um zu widersprechen.
- Im Brief liegt ein rosa Formular. Das ist für den Widerspruch.
- Du kannst entweder gegen den gesamten Mahnbescheid oder nur gegen einen Teil davon Widerspruch einlegen.
- Du musst die Punkte ankreuzen mit denen du nicht einverstanden bist – und das Formular dann zurückschicken.
- Du brauchst keinen Anwalt dafür.
- Du kannst auch selbst einen Brief schreiben – aber das Formular ist einfacher.
Wenn du widersprichst, passiert Folgendes:
- Das Mahnverfahren wird gestoppt.
- Der Gläubiger muss nun entscheiden, ob er deinen Widerspruch akzeptiert. Wenn er das nicht tut und auf seine vollständigen Kosten besteht, wird er ein Klageverfahren beim Zivilgericht einreichen. Der Gläubiger muss dort einen Kostenvorschuss leisten. Nach dem Gerichtsurteil werden die Gerichtskosten auf den Verlierer des Prozesses umgelegt.
Anmerkungen: Wenn ein berechtigter Grund für einen Widerspruch im Mahnbescheid besteht, sollte man reagieren und das Widerspruchsformular ausfüllen. Das weitere Mahnverfahren kann so gestoppt werden. Der Gläubiger wird seine Chancen überdenken und unangemessene Kosten streichen, oder es auf einen Prozess ankommen lassen. Legst du jedoch erst beim Vollstreckungsbescheid Einspruch ein, befindest du dich sofort in einem Klageverfahren am Zivilgericht – unabhängig vom Gläubigerentscheid.
Was passiert, wenn du auf einen Mahnbescheid nicht reagierst?
Nach zwei weiteren Wochen, oder bis zu sechs Monaten, kann der Gläubiger beim Gericht nun den nächsten Schritt machen und einen Vollstreckungsbescheid gegen dich beantragen.
Das bedeutet:
Der Gläubiger darf jetzt die Zwangsvollstreckung starten.
Dein Konto, dein Lohn oder deine Sachen können gepfändet werden.
Auch der Vollstreckungsbescheid kommt per Post. Du hast ab dem Tag der Zustellung nochmals 14 Tage Zeit, um einen erneuten Widerspruch einzulegen.
Wenn du auch auf den Vollstreckungsbescheid nicht reagierst, wird er rechtskräftig. Dann kannst du dich nicht mehr wehren, der Gläubiger hat nun einen vollstreckbaren Titel – und kann mit der Pfändung gegen dich beginnen.
Was passiert, wenn du Widerspruch gegen einen Mahnbescheid einlegst?
Wenn du jedoch einen Widerspruch gegen den Mahnbescheid einlegst, bekommst du nicht immer sofort eine neue Nachricht. Manchmal passiert erstmal nichts.
Aber:
Wenn die Person, die Geld von dir will (der Gläubiger), trotzdem weiterhin auf die Zahlung besteht und deinen Widerspruch nicht anerkennt, kann es zu einem Gerichtsverfahren kommen. Das nennt man Zivilprozess.
Was passiert im Zivilprozess?
- Der Gläubiger muss genau erklären, warum du das Geld zahlen sollst.
- Du musst erklären, warum du meinst, dass du nicht zahlen musst.
- Du brauchst dafür gute und klare Gründe – am besten mit Belegen.
Wer zahlt die Kosten für das Verfahren?
Ein Gerichtsverfahren kostet Geld:
- Gerichtsgebühren
- Anwaltskosten (wenn du oder der Gläubiger einen Anwalt haben)
Am Ende zahlt die Person, die den Prozess verliert, diese Kosten. Das kann also auch dich treffen – wenn du verlierst.
Wichtig:
Hol dir vor dem Prozess rechtlichen Rat – am besten von einem Anwalt oder einer Schuldnerberatung. Denn, du kannst auch aus formellen Gründen verlieren. Zum Beispiel, wenn du eine Frist verpasst oder ein wichtiges Dokument nicht richtig ausfüllst.
Tipps für dich:
Nicht ignorieren!
Wenn du nichts machst, kann der Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid beantragen.
Dann darf er dein Konto oder deinen Lohn pfänden.
Widerspruch einlegen, wenn du Zweifel hast.
Auch wenn du nur einen Teil der Forderung für falsch hältst, kannst du widersprechen.
Lass dich beraten.
Eine Schuldnerberatung hilft dir kostenlos.
Du findest eine Beratungsstelle unter:
www.meine-schulden.de/beratungsstellen
Zahle nur, wenn du sicher bist.
Wenn du zahlst, erkennst du die Forderung an – auch wenn sie zu hoch ist.
Dokumentiere alles.
Mach Kopien von Briefen. Schreib dir auf, wann du etwas bekommen oder abgeschickt hast.
Fazit:
Ein Mahnbescheid ist ernst – aber kein Grund zur Panik. Du hast Rechte. Du kannst dich wehren. Und du bist nicht allein.