Autopfändung

Pfändung des Autos: Was du wissen musst und wie du sie vermeiden kannst

Die Pfändung von Vermögenswerten gehört zu den Maßnahmen, die Gläubiger ergreifen können, um offene Schulden einzutreiben. In Deutschland kann das auch das Auto betreffen – vor allem, wenn der Schuldner über kein ausreichendes Bankguthaben verfügt. Doch wie genau funktioniert die Pfändung des Autos und vor allem: Wie kann man sie verhindern? In diesem Artikel gehen wir auf die wichtigsten Fragen ein und zeigen dir, wie du die Pfändung deines Autos vermeiden kannst.

Was bedeutet es, wenn das Auto gepfändet wird?

Die Pfändung des Autos ist eine Maßnahme, bei der ein Gerichtsvollzieher das Fahrzeug beschlagnahmt, um die offenen Schulden des Schuldners bei dem Gläubiger zu begleichen. Dies passiert meist im Rahmen eines Vollstreckungsverfahrens, wenn ein Gläubiger einen Titel (z. B. einen Vollstreckungsbescheid) erwirkt hat, um Geldforderungen durchzusetzen. Ein Fahrzeug kann als pfändbar gelten, wenn es einen bestimmten Wert hat und nicht unter dem Pfändungsschutz steht.

Die Pfändung läuft dann folgendermaßen ab:

  1. Vollstreckungsbescheid: Zunächst muss ein Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid vom Gericht erhalten, in dem das Gericht die Zahlung der offenen Schulden anordnet.
  2. Gerichtsvollzieher: Der Gerichtsvollzieher wird informiert und begibt sich dann zum Schuldner, um über einen Zahlung pder Pfändung die Forderung einzutreiben. Dabei kann auch das Auto gepfändet werden, wenn der Schuldner nicht in der Lage ist, die Schulden zu begleichen.
  3. Bewertung des Werts: Der Gerichtsvollzieher prüft den Wert des Fahrzeugs. Dazu wird der aktuelle Marktwert des Autos herangezogen, basierend auf Faktoren wie Marke, Modell, Zustand und Alter des Fahrzeugs.
  4. Pfändung: Wenn das Auto als ausreichend wertvoll angesehen wird, um die Schulden zu decken, kann es gepfändet und zur Versteigerung freigegeben werden.

Wann wird ein Auto überhaupt gepfändet?

Nicht jedes Auto kann automatisch gepfändet werden, sondern nur solche, die einen gewissen Wert haben. Wenn das Auto für den Schuldner jedoch unentbehrlich ist (z. B. für die Ausübung seines Berufs oder die Pflege eines Familienangehörigen), könnte es unter Umständen nicht gepfändet werden.

Die Entscheidung, ob ein Auto gepfändet wird oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  1. Wert des Fahrzeugs: Nur Fahrzeuge, deren Wert über einem bestimmten Freibetrag liegt, werden gepfändet. Dieser Freibetrag ist jedoch nicht immer leicht zu bestimmen. Grundsätzlich sind Fahrzeuge, deren Wert über 3.500 Euro liegt, oft pfändbar. Es gibt jedoch auch Ausnahmen.
  2. Freibetrag für notwendige Gebrauchsgüter: Ein Auto, das für die Arbeit oder für den Transport von Familienmitgliedern benötigt wird, kann oft vor der Pfändung geschützt werden. Dabei spielen die Lebenssituation des Schuldners und dessen Unterhaltspflichten (z. B. Kinder oder Pflegefälle) eine Rolle.
  3. Alter des Fahrzeugs: Ältere Fahrzeuge mit niedrigem Marktwert sind weniger gefährdet, gepfändet zu werden. Ein Fahrzeug, das kaum noch einen Wert hat, ist oftmals nicht pfändbar, da es für den Gläubiger wenig Gewinn abwerfen würde.
  4. Inhaber des Autos: Eine der wichtigsten Fragen ist, wer ist überhaupt der Eigentümer des Autos? In der Regel ist das jene Person, die im Kaufvertrag steht. (Tipp: Es sollte die Person in der Familie oder im erweiterten Kreis ein Auto kaufen, die finanziell am besten aufgestellt ist und wo keine Überschuldung droht.)

Wie kann man die Pfändung des Autos vermeiden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du verhindern kannst, dass dein Auto gepfändet wird.

Hier sind einige Strategien, um die Pfändung zu vermeiden:

Schutz durch das „Existenzminimum“

Nach der Zivilprozessordnung (ZPO) gibt es Regelungen, die dafür sorgen, dass dem Schuldner nicht das Existenzminimum entzogen wird. Das bedeutet, dass alles, was der Schuldner für seinen Lebensunterhalt braucht (z. B. Wohnung, Essen, Transportmittel), vor einer Pfändung geschützt ist. Ein Auto, das für den Arbeitsweg benötigt wird, könnte in vielen Fällen unter den Pfändungsschutz fallen. In einem solchen Fall ist es ratsam, dem Gerichtsvollzieher nachzuweisen, dass das Auto für die Arbeit oder die Erledigung von Alltagsaufgaben notwendig ist.

Ratenzahlung ausmachen

Du kannst die Pfändung deines Autos vermeiden, wenn du mit dem Gläubiger, oder spätestens mit dem Gerichtsvollzieher, eine stabile Ratenzahlung ausmachst.

Geringwertiges Fahrzeug behalten

Wenn das Auto nicht sehr wertvoll ist (z.B. ein altes Auto mit geringem Marktwert und Reparaturstau), ist es unter Umständen nicht pfändbar. Fahrzeuge mit einem Wert unter 3.500 Euro sind häufig von einer Pfändung ausgenommen. In diesem Fall wird der Gerichtsvollzieher in der Regel keine Pfändung vornehmen, da das Auto keine ausreichenden Erlöse bei einer Versteigerung bringen würde.

Das Auto in der Insolvenz: Was passiert mit dem Fahrzeug?

Wenn du eine Insolvenz anmeldest, stellt sich ebenso schnell die zentrale Frage: Darf ich mein Auto behalten oder wird es verwertet? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an. Entscheidend sind mehrere Faktoren wie Eigentum, Finanzierung, Wert des Fahrzeugs und ob das Auto beruflich notwendig ist.

1. Gehört das Auto wirklich dir?

Der erste Blick gilt der Eigentumsfrage. Nur wenn das Auto dir gehört, kann es überhaupt Teil der Insolvenzmasse sein.

  • Leasingfahrzeug: Gehört der Leasinggesellschaft → fällt nicht in die Insolvenzmasse
  • Eigentümer des Autos ist eine andere Person -> fällt nicht in die Insolvenzmasse, da das Auto nicht dir gehört
  • Das Auto gehört der Bank: Wenn der Brief des Autos bei deiner Bank als Sicherheit für einen gegebenen Kredit hinterlegt ist, wird die Bank versuchen, dass Auto vor der Insolvenz zu verwerten. Die Bank wird den erzielten Verkaufserlös mit den noch offenen Kredit gegenrechnen. Bleibt ein Restbetrag des Kredits bestehen, nimmst du diesen als Insolvenzforderung mit auf.

2. Auto in der Insolvenzmasse: Verwertung oder Freigabe?

Gehört das Auto dir und hat es einen nennenswerten Wert, prüft der Insolvenzverwalter, ob sich eine Verwertung lohnt. Dabei gilt:

  • Liegt der Zeitwert nur geringfügig über einem Freibetrag (oft ca. 2.000–3.500 €), wird das Auto häufig freigegeben
  • Bei höherem Wert kann der Insolvenzverwalter das Fahrzeug verkaufen
  • Du hast manchmal die Möglichkeit, dass Auto aus der Insolvenzmasse herauszukaufen, um es zu behalten. Sprich das Thema im Erstgespräch mit dem Insolvenzverwalter an.
  • Austauschpfändung: Ein wertvolles Auto wird gegen ein funktionsfähiges, aber weniger wertvolles Fahrzeug ausgetauscht. 

3. Berufliche Notwendigkeit: Ein wichtiger Schutz

Ein entscheidender Punkt ist, ob du das Auto für deinen Beruf zwingend brauchst:

  • z. B. für den Arbeitsweg ohne ÖPNV-Alternative
  • bei Schichtarbeit, Außendienst oder selbstständiger Tätigkeit

In solchen Fällen kann das Auto als unpfändbares Arbeitsmittel gelten. Das muss aber gut begründet und ggf. nachgewiesen (Belege sammeln, Verbindungsrouten & Zeiten des ÖPNV nachweisen) werden. Eventuell kann es aber auch hier zur Austauschpfändung kommen.

4. Was ist mit Unterhalt, Steuern und Versicherung?

Laufende Kosten wie:

  • Kfz-Versicherung
  • Kfz-Steuer
  • Reparaturen

musst du auch während der Insolvenz selbst tragen. Der Insolvenzverwalter übernimmt diese Kosten nicht. Sind die Kosten unverhältnismäßig hoch, kann das ein Argument gegen den Erhalt des Fahrzeugs sein.

5. Kann ich das Auto vor der Insolvenz verkaufen – erlaubt oder riskant?

Ein Verkauf kurz vor Insolvenzantrag kann problematisch sein:

  • Unter Wert verkauft? → anfechtbar
  • Verkauf an Familie/Freunde? → besonders kritisch

Solche Geschäfte können vom Insolvenzverwalter rückgängig gemacht werden. Vorab sollte immer eine fachliche Beratung erfolgen.


Fazit

Die Pfändung des Autos ist eine ernste Angelegenheit, die in der Regel dann in Kraft tritt, wenn du Schulden hast, die du nicht bezahlen kannst.

Der wichtigste Schritt, um eine Pfändung des Autos zu vermeiden, ist es, frühzeitig zu handeln, wenn du weißt, dass die finanziellen Probleme auf dich zukommen könnten. Eine rechtzeitige Beratung durch einen Anwalt oder einen Schuldnerberater kann dir helfen, die besten Optionen für deine individuelle Situation zu finden und das Risiko der Autopfändung zu minimieren.

Spezialtipp: In der Insolvenz & bei Pfändungen solltest du den pfändbaren Betrag bei Gericht anheben lassen, wenn dein Arbeitsweg mehr als 20 km von deinem Zuhause entfernt ist.